Datenschutz, Netzneutralität und Cybersicherheit – Der Netzpolitische Abend in der c-base

Netzpolitischer Abend im c-base Berlin

Netzpolitischer Abend
Netzpolitischer Abend

An jedem ersten Dienstag im Monat lädt die Digitale Gesellschaft e.V. zum Netzpolitischen Abend ins c-base ein. Die Digitale Gesellschaft wurde 2010 u.a. von Markus Beckedahl gegründet und gilt als einer der wenigen gemeinnützigen Vereine in Berlin, der sich mit netzpolitischen Themen befasst und sich aktiv für Bürgerrechte im digitalen Raum einsetzt. Mit dem Netzpolitischen Abend haben es sich die Initiatoren zum Ziel gemacht, auch anderen Akteuren, Netzaktivisten und Wissenschaftlern eine Plattform zu bieten, um eigene Projekte und Kampagnen vorzustellen, so Geschäftsführer Alexander Sander. Außerdem dient die Veranstaltungsreihe als gute Möglichkeit der Vernetzung. Ausgerichtet ist der Netzpolitische Abend, der bereits zum 57. Mal stattfindet, sowohl für interessiertes Fachpublikum als auch für Verbraucher, die sich über aktuelle politische Entwicklungen informieren möchten. Und die Nachfrage scheint da zu sein, denn auch heute bleibt fast kein Stuhl im Saal leer. Der bunt beleuchtete Eingang ins c-base erinnert an eine unterirdische Raumfahrtstation und die Guy Fawkes Maske, weltbekanntes Tarnsymbol des Netzkollektivs Anonymous, lächelt mir am Eingang verschmitzt entgegen. Das c-base ist vermutlich der perfekte Ort in Berlin für ein netzpolitisches Treffen unter engagierten Internetaktivisten oder solchen, die es noch werden wollen.

Datenschutz, Netzneutralität und Cybersicherheit sind nur einige der politisch kontroversen Gegenstände, über die der Netzpolitische Abend seine Besucher regelmäßig unterrichtet. Mit ihrem zivilgesellschaftlichen Engagement schließt die Digitale Gesellschaft e.V. eine Aufklärungslücke, denn die meisten Menschen sind sich über die Verletzung ihrer digitalen Grundrechte gar nicht bewusst. Auch im Internet gilt dasselbe Recht auf Privatsphäre wie in der analogen Welt. Alexander Sander gibt einen Überblick über aktuelle Themen, für die sich der Verein gerade stark einsetzt aber von der Politik oftmals umgangen werden:

Social Bots und Fake News – das sind Begriffe, die jeder medienaffinen Person mittlerweile bekannt sein sollten. Und um dieses Thema geht es beim Vortrag „Alles nur Hype? Was die Debatte um Social Bots und Fake News so gefährlich macht“ von Markus Reuter, Mitbegründer der Digitalen Gesellschaft e.V.. In seiner Rede spricht der Online-Redakteur über die inflationäre Benutzung des Begriffs Fake News, den er mittlerweile als „tot und unbrauchbar“ deklariert. Denn es werde nicht mehr genug zwischen den Bezeichnungen Falschmeldung, Lüge, Propaganda oder Hacking differenziert. Die Politik ist ebenfalls auf den Zug der Hysterie aufgesprungen und versucht sich in unüberlegten Maßnahmen, die gegen das Phänomen der Fake News steuern sollen. Darunter fallen z.B. Websperren oder die strafrechtliche Verfolgung von falschen Accounts in sozialen Netzwerken. Giganten wie Facebook sollen zukünftig in die Pflicht genommen werden, Meldestellen für Falschmeldungen einzurichten. Dass solche Maßnahmen eigentlich nicht nur regulativ gegen Fake News wirken, sondern indirekt auch die Meinungsfreiheit einschränken können, ist die andere Seite der Medaille. Dennoch ist klar, dass von Falschnachrichten und Social Bots, hinter denen sich automatisierte Roboteraccounts verbergen, Gefahren ausgehen. Welche das sind, beantwortet mir Markus Reuter:

Falsche Profile in sozialen Netzwerken und bewusst manipulierte Meldungen sind an sich keine neuen Phänomene, aber besonders seit der Präsidentschaftswahl 2016 geistern sie vermehrt in sozialen Netzwerken umher. Durch das Internet können sich Falschmeldungen viel schneller verbreiten und entfalten dadurch populistische Wirkungsmacht. Ich frage Markus Reuter, wie man Fake News und Social Bots als Internetnutzer entlarven kann:

So schnell wie mancher Internet-Hype gekommen ist, so schnell kann dieser auch wieder vorbei sein. Wird also viel Lärm um nichts gemacht? Oder werden Social Bots auch im Bundestagswahlkampf 2017 eine Rolle spielen? Was kann dagegen getan werden, ohne das Problem weiter zu befeuern? Markus Reuter schlägt praktische Lösungsansätz vor:

Eine mehr künstlerische Auseinandersetzung mit netzpolitischen Problemen unternimmt der Graphiker und Videokünstler Alexander Lehmann. Er stellt seinen neuen Animationsfilm Onlinebetrug – Gefahren erkennen und abwehren“ vor, in dem die vielfältigen Möglichkeiten von Trickbetrügern im Netz veranschaulicht werden. Der Film versucht auf pädagogische Weise komplexe Sachverhalte wie ‚Phishing‘ einfach zu erklären, um auch weniger internetaffinen Menschen einen Zugang zu diesem Thema zu ermöglichen. Dabei lernt der Zuschauer wie er sich vor Phishing-Angriffen schützen kann, bei denen z.B. über E-Mail-Spam oder gefälschte Webseiten persönliche Daten gestohlen werden. Ein unüberlegter Klick auf den falschen Link, schon ist mein Computer von einem Virus befallen und sensible Daten können von Onlinebetrügern ausgespäht werden. Dass Alexanders Animationsfilme noch nicht in Schulen gezeigt werden, verwundert mich ein wenig, zumal sie netzpolitische Themen auf durchaus unterhaltsame Art behandeln. Auf YouTube hat Alexander zumindest schon eine große Fanbase. Sein erster Animationsfilm „Du bist Terrorist“ hat seit 2009 über 3 Millionen Aufrufe erhalten. Nach seinem Vortrag möchte ich von ihm wissen, wie er dazu kam, sich filmisch mit netzpolitischen Themen auseinanderzusetzen:

Das Ende der netzpolitischen Debatte ist nicht in Sicht, zumindest nicht solange die Digitalisierung und der Siegeszug des Internets voranschreiten. Wie sich die Zukunft der Netzpolitik entwickeln wird und auf was wir uns vermutlich noch gefasst machen müssen, prognostiziert Alexander Sander:

Wer sich für die Digitale Gesellschaft e.V. engagieren möchte, sollte mal einen Blick auf die Homepage werfen oder am besten gleich zum nächsten Netzpolitischen Abend ins c-base kommen. Dieser findet am 07.03.17 um 20 Uhr statt, der Eintritt ist frei. Und da wir finden, dass man nicht genug auf das Thema aufmerksam machen kann, wird ALEX Berlin die Veranstaltungsreihe ab März 2017 live im TV und im Internet streamen. Bleibt dran!   #np057

Autorin: Nadège Fundschler