Partizipation 4.0

Die Stiftung Zukunft Berlin – Modell der „Bürgerlichen Mitveranwortung“

Wie in jedem Jahr im April, öffnen die Berliner Stiftungen ihre Türen für Interessierte. Mit mehr als 100 Veranstaltungen ist die Berliner Stiftungswoche eine bunte und informative Möglichkeit, um sich mit der Frage „was uns zusammenhält“ auseinanderzusetzen. Neben der Frage nach dem „Was“, geht es auch darum, wie mehr Zusammenhalt und Engagement gefördert werden kann.

Ich bin bei der Stiftung Zukunft Berlin zu Gast, die heute ihr Modell zur „Bürgerschaftlichen Mitverantwortung“ vorstellen.

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Prof. Dr. Michael Zürn eröffnet den Abend bei der Stiftung Zukunft Berlin

Mit den Worten „Das Thema Partizipation ist gerade in diesen Tagen wichtig“, begrüßt uns Prof. Dr. Michael Zürn in den Räumen des Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung. Und es stimmt – viele Bürgerinnen und Bürger sind unzufrieden mit den politischen Entscheidungen. Sie haben zu wenig Einfluss auf tatsächliche Prozesse und finden selten den richtigen Ansprechpartner für ihr Anliegen. Auch Stefan Richter, Vorstand der Stiftung Zukunft Berlin, ist der Meinung, dass das Thema zentraler wird. Doch wie kann man Bürgerinnen und Bürger stärker in die Prozesse einbinden? Um diese Frage zu beantworten, hat die Stiftung ein Modell entwickelt, das „Bürgerschaftliche Mitverantwortung“ stärken soll. Prof. Urs Kohlbrenner stellt das Modell, das Ergebnis von mehreren Jahren Arbeit, vor.

„Es geht darum, von den Meinungen wegzukommen und Argumente auszutauschen“, erklärt Kohlbrenner. Und dafür soll es eine Auswahl von Personen geben, die in einem Forum den Arbeitsprozess begleiten und in den Dialog mit den Entscheidungsträgern treten. Die drei Bereiche Politik, Verwaltung und die Bürgerinnen und Bürger tauschen ihre Erfahrungen, Fachkenntnisse und Betroffenheit aus, um konkrete Argumente zu sammeln. Diese Argumente dienen den Entscheidungsträgern als Vorlage.

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Interessiertes Publikum bei der Stiftung Zukunft Berlin

Doch vor allem die Auswahl der Forumsteilnehmenden wird von Kohlbrenners Nachrednern stark kritisiert. Sawsan Chebli, Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement und Internationalesfordert eine klare Zielgruppenerweiterung auf Migrantinnen und Migranten sowie auf Geflüchtete.

Dennoch befürworte sie das Modell grundsätzlich, so Chebli.

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Sawsan Chebli spricht über Zusammenhalt in der Gesellschaft

Etwas kritischer mit dem Entwurf ist Sören Benn, der Bezirksbürgermeister von Pankow. Man dürfe nicht vergessen, dass die Bevölkerung unterschiedliches kulturelles und soziales Kapital habe. Außerdem wollen sich viele beteiligen, aber die Verfahren sind nicht immer vorgesehen. Tatsächlich gibt es sehr viele unterschiedliche Möglichkeiten, die Bevölkerung an Prozessen zu beteiligen.

Bei dem Forum StadtSpree und bei dem Forum für gutes Essen konnte das Modell der „Bürgerschaftlichen Mitverantwortung“ der Stiftung Zukunft Berlin die Partizipation ermöglichen, da sie ein großes allgemeines Interesse verhandelten. Für kleinere Bezirksentscheidungen sei so ein Modell aber nicht hilfreich, so Benn.

Was auch an diesem Abend klar wird, dass es tatsächlich wichtig ist, Face-to-Face miteinander über solche Anliegen zu sprechen.

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Die Stiftung Zukunft Berlin stellt ihr Modell der „Bürgerschaftlichen Mitverantwortung“ vor

Autorin: Jennifer Weese