Creating Tomorrow– Festival of Lights 2017

Vom 6.-15. Oktober lockt das Festival of Lights dieses Jahr unter dem Motto “Creating Tomorrow” zum 13. Mal die Menschen in die berliner Nacht hinaus. Mit über 40 Illuminationen auf verschiedenen Gebäuden der Stadt und schätzungsweise 2 Millionen Besuchern gehört das Festival of Lights unter der Organisation von Zander & Partner zu einer der wichtigsten Touristenattraktionen Berlins. Ich habe mich gemeinsam mit unserem ALEX- Fotografen Martin auf einen Nachtspaziergang begeben.

Es ist wieder so weit. Die Zeit der langen Tage ist vorüber und die Nacht hat das Zepter übernommen. Das heißt in der Regel: Mehr Couch, weniger draußen. Wäre da nicht das Festival of Lights, das der dunklen, kühlen Herbstnacht von 19- 24 Uhr wieder leuchtende Gemütlichkeit verleihen soll.
Es ist ein warmer Herbstabend und ich treffe pünktlich um 19 Uhr ALEX-Fotograf Martin am Alexanderplatz. Gespannt blicken wir auf den Fernsehturm, der zu einer der Hauptattraktionen des Festivals gehört. Nichts tut sich. Ein wenig irritiert überprüfen wir nochmal die Beleuchtungszeiten, bis wir schließlich zur großen Erkenntnis gelangen, dass die andere Seite des Turmes beleuchtet wird. Naja, passiert den besten. Es kann jetzt also endlich losgehen und wir tauchen ein in die von Netflix inszenierte Lichtinstallation “We beam you up”. Zu passender dramatischer Filmmusik erscheinen auf dem Alex Menschen, die nach ein paar Sekunden den Turm entlang hochgebeamt werden. Eine weibliche Computerstimme sendet eine “Message from the Universe” und sagt eine geplante Landung auf dem Alexanderplatz an. Netflix greift hier die neue Serie Star Trek: Discovery auf und nimmt die Zuschauer mit an Board der USS Shenzhou ins Jahr 2190.

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Weiter gehts zum Alten Stadthaus ein paar Schritte vom Alex entfernt. Es sind viele Menschen unterwegs, davon sehr viele mit Kamera und Stativ ausgestattet, und es ist eine geselligere Stimmung als an einem regulären Herbstabend. Ein bisschen fühlt man sich auch wieder wie ein Tourist, der mit neuen Augen auf Berlin schaut. Das Alte Stadthaus leuchtet schon von Weitem in strahlendem Pink und blüht förmlich auf in einem Inferno aus tausend Rosen. Die romantische Installation “Dream of Flowers” hat auch hier einen kommerziellen Hintergrund: Die Marke Triumph bewirbt damit ihre neue Kollektion. Leider haben wir Hollywood-Schauspielerin Julian Moore verpasst, die einige Tage zuvor die Installation eröffnet hat.

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Die Tour führt uns weiter zu Fuß ins Nikolaiviertel, dem ältesten Stadtteil Berlins und ich stelle nach drei Jahren fasziniert fest, dass Berlin tatsächlich eine Altstadt hat. Thema der nächsten Illumination auf der Nikolaikirche sind die Partnerstädte Berlins und ich lerne Weiteres hinzu: Unter anderem sind Peking, Istanbul, London und Los Angeles Partnerstädte Berlins.

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Ein paar Schritte weiter erreichen wir die Spree und vor uns erscheinen auf der Fassade des Neuen Marstalls wunderschöne Naturaufnahmen, mit denen National Geographic auf den Naturschutz aufmerksam machen will.

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An der Spree entlang schlendern wir nun weiter und erreichen bald den Berliner Dom. Im Lustgarten davor tummeln sich Menschen, der Gegenspieler macht seine eigene Show, aber die Massen blicken auf den Dom, auf dem in wenigen Sekunden Lichtinstallationen von 11 Künstlern aus 5 verschiedenen Ländern projiziert werden, die sich alle mit dem Hauptthema des Festivals “Creating Tomorrow” auseinandersetzen. Die opulente 3D-Videomapping-Show ist bis jetzt die, mit dem größten Show-Effekt. Untermalt mit atmosphärischer Musik verwandelt sich in der Installation der russischen Künstler von KEDR visuals die Form des Doms von einer Puppe, zum Roboter bis hin zu einer startenden Rakete. Ein deutscher Beitrag von Eurovideomapping beginnt mit einem Menschen in Embryostellung, der sich später wie ein Androidenmensch in die Höhe streckt. Bis zum 14.10. kann aus den 11 Finalisten hier ein Gewinner ausgewählt werden.

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Es ist mittlerweile ca 22:30 und die Stimmung wirkt ein wenig wie an einem lauen Frühlingsabend, nur mit Glühweingeruch in der Luft. Es sind noch zahlreiche Menschen unterwegs, es gibt Crêpes und Würstchen und wir machen uns nach einem kurzen Halt am Stand mit polnischem Räucherkäse weiter zum Palais am Festungsgraben. Hier steht die Projektion im Zeichen der Kunst und des Designs. Motive international bekannter Designer, aber auch unbekannter berliner Künstler, wie Aribert Gross schmücken hier die Fassade.

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Ein kurzer Nieselregen verstärkt sich zum Glück nicht, sodass wir unsere Tour zum Bebelplatz fortführen können. Während hinter uns die Humboldt-Universität von Herzen überströmt wird, entfaltet sich vor uns das schönste Panoramabild des Festivals. Die Staatsoper, die St. Hedwigs-Kathedrale, das Hotel de Rome, sowie die Juristische Fakultät der Humboldt-Universität bilden das in Barock getauchtes Gesamtkunstwerk “Opera e Luce”. Zum 275. Jubiläum der Staatsoper zeigt die Videoinstallation die Geschichte der Oper von 1742 bis heute.

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Es wird langsam Zeit für das Finale unserer Nachtlichter-Wanderung, die am Brandenburger Tor für uns enden soll. Das Thema hier: Freiheit. “Berlin kann Freiheit.” prangt als Zitat von Michael Müller auf dem Tor, gefolgt von weiteren persönlichen Freiheits-Statements von Berlinern. Obwohl es noch viele weitere Stationen zu sehen gibt, lassen wir die Tour mit diesen schönen Schlusszitaten ausklingen und gehen mit dem Gefühl nach Hause, Berlin noch einmal ein bisschen neu entdeckt zu haben.

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Text: Schahrzad Zamankhan

Fotos: Martin Sznur