Lichtinstallation in der Ruine Klosterkirche

Lichtinstallation in der Ruine Klosterkirche

Die vorweihnachtliche Zeit in Berlin, ist auch immer eine Zeit der Lichter. Die Tage sind kurz, es wird früh dunkel und ab dem frühen Abend strahlt in der Stadt die weihnachtliche Beleuchtung. Also genau die richtige Jahreszeit für eine Lichtinstallation. Und genau so eine besuche ich heute für Euch. Mich zieht es an diesem Freitagabend, vor dem 4. Advent, in die Ruine der Klosterkirche in Berlin Mitte. Zunächst musste ich einmal googeln, wo ich da überhaupt hin muss. Von einer alten Ruine, auch noch mitten in Berlin, habe ich bei meinem mittlerweile fünfjährigen Aufenthalt in dieser Stadt, noch nichts gehört.

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Die alte Ruine der Klosterkirche steht also mitten in Berlin, drei Minuten Fußweg vom Alexanderplatz entfernt und direkt, wie der Name schon verrät, am U-Bahnhof Klosterstraße. Um das Jahr 1250 ist diese Klosterkirche errichtet worden und war Stätte eines Franziskanerklosters. Viel ist von der damaligen Kirche nicht mehr übrig geblieben, aber als ich die ersten Schritte in die Ruine mache und die Einschusslöcher entlang der Außenmauer erkenne, zeigt sich auch warum. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden große Teile der Kirche abgetragen. Seit 1992 aber kann diese Ruine wieder für zahlreiche Kunstausstellungen genutzt werden. Ich muss schon sagen, das hat hier einen ganz besonderen Flair. Es ist zwar sehr kühl, aber dafür finden wir im späteren Verlauf auch noch eine Lösung.

Illuminierter Schatten des Fernsehturm
Illuminierter Schatten des Fernsehturm

Man kann sich durch die noch stehenden Außenmauern sehr gut vorstellen, wie die Kirche zu ihren besten Zeiten ausgesehen haben muss. Um 1250 herum gab es aber durch das Fenster der Klosterkirche noch nicht diesen herrlichen Blick auf den Fernsehturm. Dieser soll auch im Mittelpunkt der Lichtinstallation stehen, die mit heutigem Beginn bis zum 2. April 2017 hier zu sehen ist. Wie man auf den Fotos erkennen kann, stellt die die Lichtinstallation den Schatten des Fernsehturms nach. Im Schatten der Kuppel erstrahlt ein weißes Kreuz. Die knallenden Farben wirken besonders an diesem Ort sehr kontrastreich, aber nicht fehl am Platz. Der 28-jährige Martin Bretag ist verantwortlich für diese Installation. Er ist Licht- und Ton Designer und sorgt erstmalig dafür, dass die Ruine in der sonst so dunklen Winterzeit nicht im Dunkeln bleibt. Er empfängt uns herzlich in der Sakristei und bietet uns direkt einen Glühwein an. Es ist kalt, da sagen wir also nicht nein. Martin fängt gleich an zu erzählen, wie es zu dieser Idee kam. Im kurzen Interview verrät er seine Hintergründe zu diesem Projekt.

Obwohl Martin Bretag noch sehr jung ist, ist er in der Szene eine bekannte Person. Seit 2012 betreut er mit seiner Firma Klangkultur viele regionale und überregionale Veranstaltungen, unter anderem auch Konzerte des Pop-Projektes „Schiller“, oder der Band „Radio Doria“ von Tatort-Star Jan-Josef Liefers. In diesem Jahr gewann Martin sogar, für sein Lichtdesign zur Eröffnung des Museums „Himmlisches Theater“ in Neuzelle den Future Talents Project-Wettbewerb. Von diesem Künstler werden wir also noch viel hören, bzw. viel sehen. Wenn Martin über seine Projekt spricht, hört man die Leidenschaft heraus, mit der er diese Projekte betreibt. Und wenn man am Ende sieht, was man mit Licht bewirken kann, wie mit so einfachen Mitteln hier — Geld ist auch in dieser Kunstform natürlich immer knapp — dann ist man einfach beeindruckt.

Also kommt bis April mal rum und schaut Euch diese Lichtinstallation an. Danach kann man direkt weiter zu weiteren wunderbaren Lichtinstallationen gehen. Und zwar zu einem der schönsten Weihnachtsmärkte der Stadt, gegenüber am Alexa. Und das war Ironie. Viel Spaß und eine besinnliche Weihnachtszeit.

AUTOR: Marvin Jäger