Bürgermedien & Rechtspopulismus

Volkes Stimmen – Bürgermedien und Rechtspopulismus

Die diesjährige Bürgermedientagung der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) und des Bundesverbands Bürger- und Ausbildungsmedien (BVBAM) befasst sich mit der Berichterstattung von Bürgermedien über Rechtspopulismus und der gleichzeitigen Beteiligung aller Bürger*innen.

Rechtspopulismus ist in den vergangenen Monaten ein immer größeres Thema geworden, die Medienberichterstattungen haben sich nahezu überschlagen. Zunächst gab es aggressive Berichterstattungen gegen Bewegungen wie PEGIDA und Co. Später dann das Eingeständnis, einige Fehler in der Herangehensweise gemacht zu haben. Denn jede Bühne – sei sie positiv oder negativ – ist eine Bühne, die Aufmerksamkeit schürt.

Umso mehr ist die Art und Weise der Berichterstattung über Rechtspopulismus ein Thema, mit dem sich gerade Bürgermedien auseinandersetzen müssen. Denn die Gefahr, ungewollte Fehler zu machen ist groß. Wie schafft man es also, Informationen aufzubereiten, ohne eine Werbesendung für die Populisten zu senden? Und wie garantiert man die Partizipation aller Bürger*innen, ohne dabei populistische Inhalte zu verbreiten?

Das sind zwei der zentralen Fragen, mit denen sich die Sprecher*innen und die Besucher*innen bei der Tagung in der FES auseinandersetzen.

Bürgermedientagung FES bvbam

An drei Seiten des Raumes stehen Kameras, die auf das Podium gerichtet sind. Wir sind dabei und übertragen live, was hier vorgetragen und diskutiert wird. Das Banner im Hintergrund zeigt unscharf Menschenmassen. Das Motto „Volkes Stimmen – Bürgermedien & Rechtspopulismus springt den Teilnehmenden in großen Lettern förmlich entgegen. Es wurde ganz bewusst so gewählt. Es gebe nicht die eine Stimme des Volkes, sondern viele, daher sei das Motto im Plural verfasst, betonte Johanna Niesyto von der Friedrich-Ebert-Stiftung zu Beginn der Veranstaltung. Das Thema könnte kaum aktueller sein. Das wird auch im Laufe des Tages deutlich. Es wird über die AfD gesprochen, über die FPÖ und auch über Trump. Diese Stimmen, die sich rechtspopulistisch äußern, stammen allerdings keineswegs nur aus „ungebildeten Randgruppen“. Das zeige auch die Mitte-Studie, die am 21. November von der FES herausgegeben wird, so Niesyto. Auch Politikwissenschaftler Christian Demuth unterstützt diese Äußerung. Tatsächlich sind es selten die sogenannten „Abgehängten“, die rechtspopulistische Gedanken verbreiten, sondern überwiegend Arbeitnehmer aus der Mitte der Gesellschaft. Sie sind mit dem System unzufrieden und wollen mit ihrer Stimme protestieren. Populismus werde dabei außerdem oft als Strategie genutzt um Wählerstimmen zu mobilisieren, so Demuth.

Dass es rechtspopulistische Neigungen in der Gesellschaft gibt, ist kaum zu übersehen, wie (Bürger-)Medienmacher damit umgehen ist allerdings oft unklar. Dr. Wolfgang Ressmann vom BVBAM bedenkt: „Wenn wir merken, dass es eine Tendenz in der Gesellschaft gibt, müssen wir damit umgehen lernen.“ Aber was heißt es denn nun, damit umzugehen? Soll man über Proteste und Gegenproteste berichten? Zu Demonstrationen aufrufen? Oder das Thema ganz verschweigen? Christian Demuth plädiert dafür, Millieugrenzen zu überwinden und die „kleinen Leute“ verstehen zu lernen. Dabei sei es ganz zentral, die Motivation von AfD-Wähler*innen zu thematisieren.

Beispiele liefern verschiedene Bürgermedienprojekte aus diesem Jahr. Radio Lotte, hat im Frühjahr einen Fakten-Check ins leben gerufen. Genaue Recherche und Gespräche mit Experten haben es dem Team ermöglicht, bei sich selbst und bei Hörer*innen Vorurteile abzubauen. Auch köln.campus und okto.tv werden für ihre Herangehensweise an dieses schwierige Thema gelobt.

Bürgermedientagung FES bvbam

Über die grundlegenden Problematiken der Medienarbeit in Kontext von (Rechts-)Populismus ,wird am Nachmittag in Workshops diskutiert und anschließend Handlungsimpulse verfasst. Dass die Diskussion mit diesem Tag nicht vorbei ist zeigt auch die anschließende Diskussion über die Impulse. Udo Stiehl von der Floskelwolke mahnt, mit politischen Kampfbegriffen vorsichtig umzugehen, sie sollten enttarnt werden. In einem sind sich die Teilnehmenden aber sicher: Es muss eine ausgewogene Berichterstattung geben, ohne das die „besorgten Bürger“, wie sie stehts genannt werden, verlacht und verhöhnt werden. Fakten checken, Texte oder Skripte gegenlesen lassen und sich auf keinen Fall von vermeintlich großen und unübersichtlichen Themen abschrecken lassen. Denn die Bürgermedien sind es, die im Lokalen dabei sind.

Zum Ende der Veranstaltung wurde der Publikumspreis für die beste Präsentation der Bürgermedien vor Ort verliehen. Und – surprise, surprise – ALEX Berlin hat ihn gewonnen. Unser tolles Team hat wohl bei den Teilnehmenden den besten Eindruck hinterlassen.

AUTORIN: Jennifer Weese