Barcamp we.confer!

Wie erreichen wir Gerechtigkeit und Solidarität in unserer Gesellschaft?
Wie gehen wir mit Vorurteilen und Ängsten um?
Wie wollen wir in Europa zusammenleben?

Diesen und weiteren Fragen stellten sich die Teilnehmer des Barcamps we.confer! (zu Deutsch: wir beratschlagen!). Vom 23. bis 25. September trafen sich knapp dreißig Menschen zum gemeinsamen Überlegen und Diskutieren. Organisiert wurde die Veranstaltung von youngcaritas Deutschland und youngcaritas Berlin, teilnehmen konnte jeder, der Zeit und Interesse an dem Thema hat.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer während eines Vortrags
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer während eines Vortrags

Es ging darum, Erfahrungen miteinander auszutauschen und Ideen zusammenzutragen, wie so eine offene Gesellschaft wohl aussehen könnte.
Der Begriff „offene Gesellschaft“ ist hierbei sehr weit gefasst und bietet für jeden die Möglichkeit zur eignen Interpretation und Auslegung. Generell ist damit eine Gesellschaft gemeint, in der jeder so akzeptiert wird, wie er eben ist. Die Entwicklung des Einzelnen soll nur dort eingeschränkt werden, wo sie Dritten schadet. Der Begriff lässt sich also sowohl auf die Flüchtlingskrise (oder die Flüchtlingschance?) beziehen, als auch zum Beispiel auf den Islam oder Homosexualität. Wo auch immer ausgeschlossen wird, soll inkludiert werden.

„Ich gratuliere euch, dass ihr alle hier seid!“ begrüßte Moderator Alexander Wragge alle, die sich rings um ihn herum versammelt hatten. Er lobte die Teilnehmenden dafür, dass sie diese Chance wahrgenommen hatten und darüber nachdenken möchten, wie sich Deutschland und Europa schöner gestalten ließen. Moderiert wurde übrigens nicht von einem Rednerpult aus, sondern von den Sitzbänken, die im Kreis standen. So konnten sich alle gegenseitig sehen und auch viel besser miteinander reden. Und dazu ist diese Veranstaltung ja schließlich vor allem da!

Rednerin Fatuma Musa Afrah während ihres Vortrags
Rednerin Fatuma Musa Afrah während ihres Vortrags

Es folgten drei sehr verschiedene, aber auf eigene Art interessante Vorträge. Den Anfang machte Mona Jas, die selbst Künstlerin ist. Sie arbeitet mit verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen kreativ zusammen und unternimmt zum Beispiel gemeinsam mit Geflüchteten Spaziergänge zu Werken innerhalb der Stadt. 
Im Anschluss widmete sich Ansgar Drücker, Geschäftsführer des Informations- und Dokumentationszentrums für Antirassismus e.V., dem Thema Grenzen. Von der EU-Außengrenze, die Geflüchtete daran hindern soll, das Land zu betreten, ging es über die neue Grenze zwischen Großbritannien und der Europäischen Union bis hin zu den Grenzen zwischen Kulturen und Religionen. „Wir sagen, wir sind gegen Diskriminierung und Rassismus, aber gleichzeitig wollen wir auch nicht, dass es anderen besser geht als uns“, sagte er zum Thema Einwanderung. Hass und Neid seien hier Gift für eine offene Gesellschaft.
Den Schluss bildete Rednerin Fatuma Musa Afrah, die trotz der fortgeschrittenen Stunde keine Mühe hatte, alle Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. In einem euphorisch-interaktiven Vortrag auf Englisch („Mein Deutsch ist kaputt“) animierte sie ihre Zuhörerinnen und Zuhörer, aufzustehen und selbst etwas zu tun. Sich selbst bezeichnet sie als Changer: Jemand, der etwas anders macht, etwas bewirkt. Und dabei versteht sie unter Change, also Veränderung, stets etwas Positives.
Zwischen den einzelnen Vorträgen gab es Zeit für Fragen zu dem Gesagten und Diskussionen rund um das Thema. Das ist wichtig, denn – und da waren sich alle einig – der Schlüssel zum Erfolg ist der Austausch und das Verständnis für andere Ansichten.

Was ist eine offene Gesellschaft für Teilnehmerin Ariana Doehring?

Auf einer großen weißen Wand stand geschrieben: Eine offene Gesellschaft ist für mich… eine Zumutung, eine Herausforderung, ein großes Glück. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer durften anschließend mit einem großen grünen Punkt ihre Sichtweise ausdrücken, indem sie ihn dementsprechend nah an das auf sie zutreffendste Wort klebten.

Und was ist nun mit der offenen Gesellschaft?

Eine Lösung gibt es noch immer nicht. Dafür viele Anregungen, die den einen oder anderen zum Nachdenken gebracht haben oder vielleicht einen Anstoß gegeben, selbst aktiv zu werden. 

Autorin: Ronja Bachofer