Data Debates #1 – Freiheit und Privatsphäre

Data Debates #1 – Freiheit und Privatsphäre

Der Tagesspiegel lädt zur ersten Debatte ein.

Wir dürfen heute einer neuen Veranstaltungsreihe des Tagesspiegels beiwohnen. Dafür fahre ich zur Friedrichstraße. In der Seitenstraße befindet sich das Telefonica Basecamp, wo ab jetzt im monatlichen Turnus Debatten ausgetragen werden sollen. Zwei schwarze Limousinen stehen an der Straße vor dem Eingang. Sie gehören nicht zum Fuhrpark von ALEX. Und sie sind mit Blaulicht ausgestattet. Hoher Besuch also zur Auftaktveranstaltung unter dem Namen #DataDebates. Kein geringerer als Bundesinnenminister Thomas De Mazière ist der erste Gast zum heutigen Thema: Freiheit und Privatsphäre.

Publikum

Bevor es mit einer kleinen Eröffnungsrede losgeht, bekommt jeder Gast ein Pad. Hiermit soll später, während der Diskussion live über diverse Fragen zum Thema abgestimmt werden. Ich bin gespannt, ob das funktionieren wird. Die Gäste nehmen Platz und Chefredakteur des Tagesspiegels Stephan-Andreas Casdorff eröffnet die ersten #DataDebates. Er freut sich, gleich zu Beginn einen so prominenten Gast begrüßen zu dürfen und bittet Herrn De Mazière zum Rednerpult.

DeMaziereRede

Das Thema seiner Keynote ist ganz klar. Datenschutz. Wer schützt unsere Daten? Wem gehören unsere Daten eigentlich? Gehören sie mir? All diese Fragen sollen geklärt werden. Thomas De Mazière legt sich in seiner Ansprache nicht wirklich fest. Er lässt Spielraum, in dem er zum Beispiel sagt: „Nicht alle personenbezogenen Daten sind persönliches Eigentum.“ Legt aber direkt nach mit der Aussage, dass „Daten nicht wie verhandelbare Ware gehandhabt werden sollten.“

ZitatZuckerberg

Ich twittere nebenbei fleißig. Immerhin gibt es auch eine Live-Twitterwall. Auf die wir es mit ein, zwei wirklich guten Tweets, gleich ganz nach vorne geschafft haben. Leider zerstört uns diesen Erfolg, die Twitterwall selbst. Sie fällt nach wenigen Minuten mit technischen Problemen aus. Dafür sitzen sich jetzt Stephan-Andreas Casdorff und Thomas De Mazière gegenüber. Die Diskussion beginnt.

Es geht um Privatsphäre und natürlich auch um die Erhebung privater Daten. De Maziere kommt es dabei „auf die Verwendung an und nicht auf das Instrument“. Hm. Ganz ausfindig kann ich nicht machen, wie unser Bundesinnenminister tatsächlich über die Themen Daten und den Schutz dieser steht. Dafür dürfen wir alle jetzt live ins Geschehen eingreifen. Die erste Frage erscheint technisch korrekt auf unseren Pads. „Braucht eine digitale Gesellschaft neue digitale Grundrechte?“ Ja, sagen 47 %, Nein dagegen 53 %. Für das knappe Ergebnis hat Thomas De Mazière gleich einen Schuldigen. Die Frage sei nicht gut gestellt. Gelächter im Publikum. Es folgen noch mehrere in De Mazières Augen nicht ganz sinnvoll gestellte Fragen, bis nach einer knappen Stunde noch drei Fragen aus dem Publikum gewährt werden. Das ist meine Chance, denke ich. Ich bekomme ein Mikrofon. Die zwei Fragenden zuvor waren beide ü50. Jetzt komme ich. Ich versuche charmant zu starten. „Ich möchte Ihnen nicht zu nahe treten, Herr Bundesinnenminister …“, prompt reagiert Mazière schlagfertig „…tun es jetzt vermutlich aber doch…“ Ich frage Ihn, ob er mit über 60 Jahren, sich nicht ab und an überfordert fühle, mit dem Thema Digitalisierung, auch im Hinblick auf Casdorffs Vorschlag einen Internetminister einzustellen? Er stimmt mir zu. Natürlich fühle er sich manchmal überfordert. Gleichwohl eigne er sich viel an und es wäre seiner Meinung nach falsch, diese Thematiken aus dem Weg zu gehen und andere darüber entscheiden zu lassen. Die ihn wiederum teilweise verärgern, in dem sogenannte Spezialisten der digitalen Szene, oft bewusst nur in „Fach-Chinesisch“ reden.

Ich kaufe ihm die Antwort ab. Das war’s. Schnell husche ich nach vorn und möchte mich noch kurz persönlich vorstellen. „Na, da waren Sie aber erstaunt über meine Antwort“, zeigt sich Thomas De Mazière sichtlich zufrieden. Dafür gab es für mich dann auch noch ein schönes Erinnerungsfoto.

DeMaziereundICH

Die nächste #DataDebates findet am 30. März zum Thema: „Wandel des Wertesystems“ statt.

Autor: Marvin Jäger