Berlin goes SXSW 2016

Musik, Filme, Start-Up-Technologien und Austin, Texas: South by Southwest (SXSW) is back! Vom 11. bis 20. März werden rund 75.000 Besucher aus über 80 Ländern nach Texas reisen, um am größten Kreativfestival der Welt teilzunehmen… und Berlin ist mit dabei. Dieses Jahr ist das Festival noch größer und noch besser als in den Jahren zuvor – es feiert nämlich seinen 30. Geburtstag.

Berlin: Zuhause der Start-Ups

Ich bin bei der Presse-Preview des Berliner Programms der South by Southwest in der Factory Berlin akkreditiert, um zu erfahren, welche Berliner und Berliner Unternehmen zur Messe fahren. Begleitet von Menschen aus anderen deutschen Städten reisen rund 80 Akteure aus der Berliner Start-Up-, Musik- und Filmszene in die texanische Hauptstadt, um das Programm des German Haus vorzustellen.

berlin goes sxsw

 

Es überrascht nicht, dass 12 Berliner Start-Ups ihren Weg ins German Haus gefunden haben. Streng genommen sind das ziemlich wenig. Hat Berlin nicht viel mehr vielversprechende, neu gegründete Unternehmen als der Rest von Deutschland zusammen genommen? Berlin ist die Stadt der Start-Ups, jeden Tag werden schließlich zwei Start-Ups hier gegründet. Aber warum ist Berlin so begehrt?

„Alles eine Frage des Geldes“, sagt Monica, die bei einem Berliner Start-Up arbeitet und aus Barcelona kommt. „In Berlin ist alles so preiswert, dass man beides hinkriegt: ein Start-Up führen und seine Familie unterstützen. Allerdings ist es sehr schwierig, in Berlin eine Förderung zu bekommen. Aber das muss und wird sich bald ändern. Unzählige Start-Ups wählen heutzutage Berlin als Basis. Mit Programmen wie dem German Haus bekommen wir mehr Aufmerksamkeit.“

Monica arbeitet bei Zoobe als Marketingmanagerin. Zoobe ist eine App, die vor vier Jahren von einem deutschen Regisseur für Animationsfilme in Berlin gegründet wurde. Heute ist sie die führende App ihrer Art auf der Welt. Mit Zoobe kann man persönliche Sprachnachrichten mit seiner eigenen Stimme und einer kleinen Animation,  einer Trickfilm-Figur, an seine Kontakte versenden. Schon über 180 Millionen Zoobe-Nachrichten sind von Anwendern weltweit verschickt worden und noch mehr sind auf YouTube oder Tumblr zu finden. Die App ist ein Vorbild für andere deutsche Start-Ups und zeigt eine mögliche Zukunft für innovative Unternehmer aus Berlin auf.

Zoobe-APP-ICON
Zoobe App Icon

Für das Team von Zoobe ist das Ziel auf dem Festival nicht, die App der internationalen Presse vorzustellen – Zoobe ist in den USA schon längst viel beliebter als in Deutschland. Sie wollen bei der South by Southwest ihre neue Partnerschaft mit Model und Schauspielerin Amber Rose präsentieren.

Aber es sind nicht nur bekannte Unternehmen wie Zoobe, die von der Berlin-goes-SXSW-Jury für die Reise in die USA gewählt werden, sondern auch Start-Ups mit einem super Unique Selling Point (USP), die noch nicht die Chance gekriegt haben, ihre Potential voll auszuschöpfen.

Basslet
Basslet von Rescued Ideas

Basslet von Rescued Ideas ist eins dieser Start-Ups. Das Basslet ist ein Armband, das im Takt mit der Musik auf dem iPod vibriert – das Produkt ist allerdings noch in der Prototypphase. Für Daniel Büttner (CEO) und Susanne Marcus (Kommunikation) wird die SXSW ihre erste Chance darauf sein, das Armband  außerhalb Berlins zu zeigen. Sie sind Finalisten im renommierten SXSW-Accelerator-Wettbewerb. Mit 47 weiteren Unternehmen pitchen sie am ersten Samstag des Festivals in nur 10 Minuten ihre Unternehmensidee vor Publikum und einer Jury, um eine Förderung des Produkts zu gewinnen. Wir drücken die Daumen für alle deutschen Start-Ups in diesem Wettbewerb!

Die Berliner Musikszene

Wenn man über South by Southwest nachdenkt, denkt man nicht automatisch an Start-Ups, Networking oder Berlin, sondern eher an Musik. Von Aimee Mann bis zu den Yeah Yeah Yeahs haben sich in den letzten dreißig Jahren die berühmtesten Acts die SXSW-Klinke in die Hand gegeben. 2016 wird Interactive mit Music verbunden und es werden  Start-Ups präsentiert, die die Musikszene technologisieren.  Start-Ups wie WAM (we are music) aus Berlin zum Beispiel, „das Tinder für Musiker“. (Und wenn ich „Tinder“ sage, meine ich definitiv nicht das, was du jetzt gerade denkst.)

Ich spreche mit Maxie Schreiner, die seit einem Jahr bei dem wachsenden Unternehmen arbeitet und mir ein bisschen mehr über die App für Studiomusiker erzählt:

„WAM ist eine App, gegründet von Musikern für Musiker. Wenn man einen Studiomusiker braucht, zum Beispiel, oder einen Gitarristen für eine neue Band, dann kann man WAM nutzen, um jemanden in der Nähe zu finden. Wir geben den Musikern ihre Kontrolle zurück und sie müssen sich nicht mehr auf Agenten oder Studios verlassen.“

wam

Das WAM-Team hat heute einen Musiker mitgebracht: Nils, der mit der App gefunden wurde, ist ein Berliner Gitarrist. Er singt allerdings nicht und findet es deswegen oft sehr schwierig, die richtige Band zu finden. Mit der App kann er sich selbst präsentieren, aber auch seinen YouTube Channel pushen, so dass Interessenten seine Fähigkeiten abchecken können. Für uns hat er heute ganz gechillt und entspannt im Hintergrund gespielt.

Nils
@NiiloMusic live in der Factory

Auch bei der South by Southwest hilft WAM Musikern aus Berlin, weil sie Sponsoren des Programms sind, das unter anderem die Acts Still Parade und Robot Koch präsentiert. Und warum auch nicht? Während ich die ganze Zeit nur über Start-Ups rede, vergesse ich, dass 12 Berliner aus der Musikszene auch nach Austin fahren.

Lange, bevor das Wort „Start-Up“ sich einen Platz in unserer Alltagssprache ergattert hat, war die Berliner Musikszene ein weltweites Phänomen. Auch heutzutage strömen noch Leute aus aller Welt nach Berlin, um Elektro- und Technomusik in echten Berliner Clubs zu erleben. Die Musik wird auch bei der SXSW nicht vergessen. Dieses Jahr feiert das German Haus die Geschichte des Berliner Krautrocks mit modernen Bands – wie der Berliner Gruppe Kreidler, die diesem Genre ihren Tribut zollen werden.

Instagram

Während die meisten von uns nicht das Glück haben werden, dieser  Tage nach Austin zu jetten, können wir uns zumindest damit trösten, dass die Texaner im German Haus bisschen vom Berliner Lebensgefühl erleben können, das wir jeden Tag in unserer verrückten Hauptstadt genießen.

Ich gehe jetzt mal ein Start-Up gründen. Vielleicht kann ich dann nächstes Jahr auch nach Texas fliegen!