U18 – Die Wahl für alle unter 18 Jahren

Unter 18 Jahren – Ist da nicht alles verboten? Kein Alkohol, kein Führerschein, kein Mitbestimmungsrecht. Vieles scheitert an der magischen Grenze, die Kinder von den Erwachsenen trennen soll. Oder doch nicht?

Zumindest heute bekamen auch junge Menschen, die die Volljährigkeit noch nicht erreicht haben, bei der U18-Abgeordnetenwahl in Berlin die Möglichkeit, Farbe zu bekennen und ihre Stimme für eine Partei abzugeben.
Lange hatten sie sich auf diesen Tag vorbereitet, die verschiedenen Parteien und Politiker kennengelernt, sich mit deren Wahlprogrammen auseinandergesetzt und allerlei Veranstaltungen durchgeführt, um sich langsam an das Thema Wahlen heranzutasten. Schulen und Jugendeinrichtungen haben Minderjährigen durch Workshops und Projekte eine Plattform zur Diskussion geboten, bei der Themen behandelt wurden, die auch Jugendliche interessieren und betreffen. Hier ging es um den Klimaschutz, die Bildungspolitik, Freizeitangebote in der Stadt oder auch den öffentlichen Personennahverkehr. Außerdem sollte gelernt werden, was überhaupt Demokratie und politisches Engagement bedeuten.

Schnell merkte man, dass junge Menschen eine ganze Menge Ahnung von diesen Themen haben und ihre Meinung präzise ausdrücken können. „Kinder haben ja auch frische Ideen, sind junge frische Menschen und haben bestimmt auch Ideen, auf die der eine oder andere Erwachsene gar nicht kommt“, meinte Sam Wernik, Finalist von The Voice Kids, zu dem Thema.

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The Voice Kids – Finalist Sam Wernik sorgte für musikalische Unterhaltung. Foto: Gena Wernik

Und am vergangenen Freitag konnte endlich gewählt werden! Über 20.000 Kinder und Jugendliche strömten in die 210 Wahllokale, die es mittlerweile in der Hauptstadt gibt. Die mit Abstand größte Wahlbeteiligung herrschte unter den 14-Jährigen. Ein Wahllokal konnte überall dort eröffnet werden, wo es junge Menschen gibt. Seit 1996, als Markus Lehmann die Idee hatte, eine Wahl für unter 18-Jährige zu organisieren, und es mit einem einzigen Lokal und 40 abgegebenen Stimmen begann, beteiligen sich immer mehr Einrichtungen an der Aktion und organisieren eine U18-Wahl.
Bis auf einen kleinen Unterschied sieht alles genauso aus wie bei einer ‚richtigen‘ Wahl. Einzig auffällig ist die Wahlurne, die jedes Mal von den Kindern selbst kreativ gestaltet und bei der Wahlsendung am Abend gekürt wird. Gewinner des diesjährigen Wettbewerbs ist eine Urne in Form des bunten Brandenburger Tors.

Um 18:30 Uhr wurde es mit Beginn der Live-Sendung aus dem Abgeordnetenhaus dann spannend. Wie sich die Kinder und Jugendlichen wohl entschieden haben? Oft wurde schon eine starke Ähnlichkeit zu den Wahlen der über-18-Jährigen festgestellt. Doch das Ergebnis der U18-Wahlen glich nicht dem der Wahl aus Mecklenburg-Vorpommern. SPD (24,3%) und Grüne (21,4%) konnten fast die Hälfte der Kinder und Jugendlichen überzeugen und ihre Stimme für sich gewinnen. Es folgen die CDU/CSU (14,5%), Die Linke (10,4%) und noch vor den Piraten (6,3%) die Tierschutzpartei (8,7%). Die AfD schaffte es mit nur 878 von 23.863 gültigen abgegebenen Stimmen (3,7%) bei den Kindern und Jugendlichen nicht sehr weit.

Mit Hilfe kleiner Bildchen und Stiften sollten die Politikerinnen und Politiker aufzeigen, was ihrer Partei besonders wichtig ist.
Mit Hilfe kleiner Bildchen und Stiften sollten die Politikerinnen und Politiker aufzeigen, was ihrer Partei besonders wichtig ist. Foto: Gena Wernik

Und was sagt uns dieses Ergebnis jetzt?

Eine ganze Menge, so die anwesenden Politikerinnen und Politiker, die bei der Wahlsendung am Abend live vor Ort im Abgeordnetenhaus dabei waren. Sie sahen sich das Ergebnis sehr genau an und einige plädierten in der anstehenden Elefantenrunde auch deutlich für eine Herabsenkung des Wahlalters auf 16 Jahre. Mindestens! „Es gibt sogar den einen oder anderen bei uns, der über das Wahlrecht ab 0 Jahren nachdenkt“, sagte Antje Kapek (Grüne) zu dem Thema. Das hört sich im ersten Moment lustig an, ist aber ernst gemeint. Voraussetzung für die Teilnahme an einer Wahl ist, dass die Wählerinnen und Wähler selbstständig zur Wahl erscheinen und eigenhändig einen Wahlzettel ausfüllen können. Da ein neugeborenes Baby dazu noch nicht in der Lage ist, darf es auch bei einer Herabsetzung des Wahlalters auf 0 Jahre noch nicht seine Stimme abgeben. Einige Jahre später jedoch wäre dies erlaubt. „Kinder brauchen nicht ein bestimmtes Alter, um eine Meinung zu haben“, fand auch Andreas Vogt.

Die bei der Sendung anwesenden jungen Menschen würde es jedenfalls freuen, wenn ihre Stimme bei der nächsten Abgeordnetenhauswahl genauso stark gewichtet würde, wie die ihrer Eltern, denn, so Kapek: „Je früher Menschen mitbestimmen können, desto früher fühlen sie sich auch für die Gesellschaft verantwortlich und merken: Wenn ich mich engagiere, dann kann ich etwas bewegen. Und deshalb ist Politik nicht langweilig, sondern total wichtig.“ Und genau das ist, was die U18-Wahlen bewirken sollen: Das durch die Wahlen geweckte Interesse der Kinder und Jugendlichen beibehalten und sie so dauerhaft für Politik und Demokratie begeistern.

Ich habe mich auf der Veranstaltung umgehört und interessante Meinungen und Ansichten rund um das Thema Politik und Engagement einsammeln können.

Autorin: Ronja Bachofer