Deutsche Meisterschaft im PowerPoint-Karaoke

PowerPoint-Karaoke – Die Deutsche Meisterschaft 

Wer kann sich selbst schon Deutscher Meister in irgendwas nennen? Im SO36 kann es am Sonntagabend jedenfalls niemand. Zumindest noch nicht, denn hier wird der Deutsche Meister im PowerPoint-Karaoke gekürt. Seit vier Jahren gibt es den „Sport“, der möglichst großes Improvisationstalent verlangt.

2012 fing alles in einer Bar in Berlin an. Dabei war ein Beamer, eine Leinwand und einige Leute, die Bock darauf hatten, eine etwas andere Form der Abendunterhaltung zu etablieren. Seitdem gibt es das Spektakel ganz regelmäßig. Es steht ein freiwilliger Kandidat auf der Bühne, um sich mit möglichst viel Charme und Witz zu beweisen. Er hält eine PowerPoint-Präsentation, die er vorher noch nie gesehen hat. Dabei sind alle Themen denkbar, von chemischen Verbindungen, bis hin zu christlichen Feiertagen. Es geht nicht darum, inhaltlich einen richtigen Vortrag zu halten, sondern die Folien unterhaltsam dem Publikum näher zu bringen.

img_2951

Bei der vierten Deutschen Meisterschaft haben insgesamt zehn Personen die Chance auf den Titel. Drei davon haben sich bereits im Vorhinein qualifiziert. Sieben müssen sich im Bootcamp beweisen. Durch den Abend führt der Poetry-Slammer Julian Heun, der selbst einen Text zum Besten gibt, um dem Publikum einzuheizen. Er selbst war noch nie bei einer Poperpoint-Karaoke-Veranstaltung, genauso, wie ein Großteil der Zuschauer.

In drei Runden treten die Meister-Anwärter gegeneinander an, sie haben drei Minuten Zeit. Die erste Runde, das Bootcamp, startet. Den Start macht Sebastian. Er referiert über Kaffeeplantagen in Irland. Nicht passende Bildkombinationen bringen ihn allerdings nicht so richtig in Fahrt, der Applaus ist eher mäßig. Auch die anderen Kandidaten haben Höhen und Tiefen. Einige Lacher hatte Stanislav sicher, als er aus dem trockenen Thema „Geschichte des Straßenbaus“ einen Vortrag zu Ecstasy im Straßenverkehr machte. Sascha wich in seinem Vortrag zu „Was ist Couchsurfing?“ sehr kreativ von den Vorgaben seiner Folien ab und beschrieb ein Tortendiagramm als Wohnungsgrundriss.

img_2911Durch das Klatschen der Zuschauer, wurden die drei Halbfinalisten bestimmt. Das Publikum entschied sich für Michael, Stanislav und für Sascha. Gegen drei weitere Kandidaten, die sich im Vorhinein schon qualifiziert haben, müssen sie nun antreten. Neue Runde, neues Glück, neue Themen. Dieses Mal haben die Kandidaten sieben Minuten Zeit, um ihr Können und ihre Spontanität zu beweisen.

img_2981

Stanislav hat dieses Mal nicht besonders viel Glück mit der Präsentation. Ein Bild von Wäldern folgt auf das Nächste. Man merkt, wie ihm die Ideen ausgehen. Mehr Glück hat Daniel, der über „Ostern in Deutschland“ referiert. Auch Sascha und Michael sorgen in dieser Runde wieder ordentlich für Lacher. Michael erklärt Wirtschaftsinformatik anhand seines Kühlschrank-Servers in seiner WG. Überzeugend beendet er den Vortrag mit dem Angebot, später an der Bar weitere Details zu erklären. Ins Finale kommen Sascha und Daniel.

img_2962

Von Runde zu Runde werden die Vorträge unterhaltsamer und souveräner. Schließlich setzt sich Sascha gegen Daniel durch und wird der 4. Deutsche Meister im Powerpoint-Karaoke und der einzige Deutsche Meister in irgendwas in diesem Raum.

img_3025

PowerPoint-Karaoke ist eine sehr unterhaltsame Abendunterhaltung. Es lebt von der Komik des Moments, wenn der Kandidat intensiv über etwas gesprochen hat und er möglichst galant eine Überleitung meistert, sollte die nächte Folie nicht zu seiner Rede passen. Einen gewissen Hang zur Selbstdarstellung ist notwendig. Mit etwas Glück und Geschick, wird es zu einer gelungenen Show.img_2905

img_2990
img_2878

Autorin: Jennifer Weese