Teddy Awards 2017 — der queere Filmpreis

Teddy Awards 2017 — der queere Filmpreis der Berlinale

Nachdem ich auf der „kleinen Berlinale“, der Boddinale“ unterwegs war, darf ich auch noch in den Genuss des Glamours kommen. Wir gehen auf die TEDDY Awards 2017. Der TEDDY Award ist der renommierteste queere Filmpreis der Welt. Und wird in diesem Jahr zum 31. Mal im Rahmen der Berlinale verliehen.

TEDDY Awards 2017
Verleihung des Jury Awards

Austragungsort ist in diesem Jahr das Haus der Berliner Festspiele in Charlottenburg. Roter Teppich ist ausgelegt und der ein oder andere Fotograf wartet schon. Um 21 Uhr geht die Zeremonie pünktlich los. Ich sitze in der dritten Reihe. Zwei Reihen davor sitzen Klaus Wowereit, Claudia Roth und Justizsenator Dirk Behrendt, in Vertretung des Regierenden Michael Müller. Auch Udo Kier aus Hollywood gibt sich die Ehre. Das freut auch Andrea Nahles, die ebenfalls ein paar Plätze weiter sitzt.

Klar, dass kein Steven Gätjen durch den Abend führt. Jack Woodhead aus Manchester moderiert den Abend. Wow. Der Typ hat Power und weiß um die Wichtigkeit dieser Veranstaltung. Und das wird jedem direkt bewusst, als der besagte Moderator sich an den Flügel setzt und das Publikum auf seine Art, mit einem selbst geschriebenen Song begrüßt.

 

TEDDY Awards 2017
Udo Kier mit Moderator Jack Woodhead

„Der Preis ist allen Trans-Menschen gewidmet, die bei dem Versuch, sie selbst zu sein, gestorben sind“

Die zwei Stunden der Zeremonie, kommen einem nicht, wie zwei Stunden einer Zeremonie vor. Das liegt an den vielen bewegenden Momenten auf der Bühne. Da stehen ein Veranstalter des pakistanischen queeren Filmfestivals, zusammen mit der Veranstalterin des türkischen queeren Filmpreises und berichten von ihren Anstrengungen und Gefahren, denen sie sich in ihrer Heimat aussetzen. In dem sie das tun, was sie tun. Sie alle sind beeindruckt, wie selbstverständlich in Berlin dieser Filmpreis gefeiert wird. Diese Worte und die Euphorie gibt vielen unter den 2.000 geladenen Gästen Hoffnung, weiterhin genauso den Lebensstil weiterzuführen, wie sie es möchten.

Für zwischenzeitliche Unterhaltung sorgt nicht nur der quirlige und knapp bekleidete Jack Woodhead. Live-Musik gibt es von Kerstin Ott. Ihren Namen kennen die meisten nicht. Noch nicht. Dafür ihren Song, den sie schon 2005 für eine Freundin schrieb. „Eine die immer lacht“. Vor einem Jahr von einem Produzenten neu aufgelegt und seitdem ein Erfolg. In der ursprünglichen akustischen Version performt, passt dieser Song perfekt zu diesem Abend. Es herrscht eine berührende Stille. Diese geht über in eine Stille voller Erstaunen, als ein Akrobat auf einem alten Holzschaukelpferd eine beeindruckende Darbietung abliefert.

TEDDY Awards 2017
Artist auf einem Schaukelpferd

„Der Preis ist allen Trans-Menschen gewidmet, die bei dem Versuch, sie selbst zu sein, gestorben sind“, sagt Daniela Vega und reckt den TEDDY Award für den besten Spielfilm in die Höhe. Genau das ist das Motto, mit denen alle Redner eindrucksvoll die Relevanz dieses Filmpreises unterstreichen. Das Drama der Kellnerin und Sängerin Marina in „Una mujer fantástica“, die nach dem Tod ihres Geliebten einen Horrortrip der Demütigungen erlebt, zeigt wie angreifbar eine Transfrau vom einen auf den anderen Moment sein kann. Daniela Vegas Verweis auf die transsexuellen Mordopfer erschließt sich durch den Film jedenfalls sofort. Auch die macher der TEDDY Awards haben sich mit den Fomschaffenden unterhalten:

Es könnte kein besseres Schlusswort für diese Veranstaltung geben. Außer vielleicht noch unser persönliches Schlusswort von Claudia Roth. Die ich gleich nach der Veranstaltung im Foyer noch kurz abfangen und nach dem heutigen Abend befragen konnte.

Die Liste der Gewinner findet ihr auf dem Blog der TEDDY Awards

 

Autor: Marvin Jäger