Boddinale — wenig Glamour, feel Film

Boddinale — wenig Glamour, feel Film

Wenn in diesen Minuten die Eröffnungs-Gala am Potsdamer Platz zur Berlinale gefeiert wird, feiert auch Neukölln. Und zwar SEIN Festival. Die Boddinale. Bereits zum fünften Mal findet parallel zum größten deutschen Filmfestival das etwas beschaulichere und weniger glamouröse, aber nicht minder besondere Festival statt. Für Filmschaffende aus und am Ende auch für Berlin. 

Boddinstr
Das Herz von Neukölln

Den roten Teppich und das Blitzlichtgewitter sucht man hier in der Boddinstraße zwischen Casinos, asiatischen Restaurants und den typischen neuen Neukölln-Bars vergeblich. Dafür kann man zwischen zusammengewürfelten Möbeln in schicken Bars oder ranzigen Kneipen, wie der Kunstbar oder dem Loophole tolle Filme in entspannter Atmosphäre zu Kippe und Bierchen genießen. Im Loophole treffen wir wenige Stunden vor Beginn den engagierten Veranstalter. Gianluca Baccanico ist ehemaliger Besitzer des und gründete  2013 die Boddinale. Mittlerweile gehört ihm die Bar zwar nicht mehr, Ort des Festivals bleibt sie aber trotzdem.

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Die Bar im Loophole

41.000.000,00 Euro vs.. 900 Euro 

Elf Tage geht dieses alternative Filmevent, bei dem man sich vom 09. bis zum 19. Februar Kurzfilme, Langfilme, Dokumentar- und Animationsfilme und allerhand experimentelle Videos ansehen kann. Verliehen werden Awards in den Kategorien „Best Feature“, „Best Documentary“, „Best Short“, „Best Animation“, „Loophole Award“ und der „Community Award“. Letzterer wird nicht durch die gut besetzte Jury, in der unter anderem Schauspieler Tom Lass und Kinobetreiber wie Sven Loose (Kino Zukunft), Carla Molino (IL KINO Berlin) oder Franziska Rummel (Moviemento) sitzen, sondern durch das Publikum gewählt. Im Loophole wird bis kurz vor 18 Uhr noch gewerkelt, Kabel verlegt, Boxen angeschlossen, etc. Wir wollen niemanden stören, also gehen wir „downstairs“. Ja, es ist etwas siffig, dreckig, aber – und das steht für die Boddinale – authentisch. Gianluca verrät uns, wie es im so kurz vor der 5. Boddinale geht und was das Publikum in diesem Jahr zu erwarten hat.

Nicht nur in Neukölln ist die Boddinale also schon eine kleine Institution geworden. Abend für Abend drängen sich Fans von Independenproduktionen durch die verschiedenen Locations, um ein Plätzchen zu ergattern. Da also mal wieder mehr Platz benötigt wird, wurde die fast gegenüberliegende Kunstbar als weitere Festival-Location gewählt. Wie der Name schon verrät, ist die Bar wirklich Kunst. Nicht nur Elvis ziert hier die Wände. Aber bevor wir vom Schwärmen über die Atmosphäre abgelenkt werden, ziehen wir uns ins Hinterzimmer zurück. Denn da wartet schon Ralf Beyerle auf uns. Sein Film „Nachspiel“ wird heute Abend u.a. gezeigt. Ein 10-minütiger Kurzfilm über eine typische Großstadt-Geschichte.

Auch am zweiten und letzten Tag der Boddinale werde ich für euch vor Ort sein und berichten. Sich selbst ein Bild zu machen, lohnt sich aber allemal. Es sind tolle Filme dabei, mit Filmschaffenden, die anschließend Rede & Antwort stehen. Und das alles kostenfrei. Das findet man am Potsdamer Platz sicherlich nicht.

Tag 2 

Auch am zweiten Tag bin ich eine Stunde vor „screening“-Beginn im Loophole. Bzw. gehen das Team und Ich direkt rüber zur Kunstbar. Denn da warten Andrea Rüthel und Katharina Wittmann auf uns. Sie haben sich über ein Filmföderungsprogramm kennengelernt und eine 17-minütige Dokumentation mit dem Titel „Frohe Zukunft“ über einen kleinen Stadtteil von Halle (Saale) gedreht. Warum sie genau dieses Gebiet gewählt haben und welches Thema ihr Film behandelt, verraten Andrea und Katharina uns im Interview.

Nach dem Interview ist also vor der Deutschland-Premiere. Es geht schnell auf die andere Straßenseite der Boddinstraße ins Loophole, wo pünktlich um 18 Uhr der Film vorgestellt wird. Auch am zweiten Tag sind nahezu alle Plätze gefüllt, in diesem dunklen, leicht mystischen Ambiente, welches nicht treffender zur Boddinale passen könnte. Im Anschluss gibt es wie gewöhnlich ein Gespräch mit Filmemachern und Veranstalter Gianluca vor Publikum. Hier kann jeder mit den Machern über die Projekte reden und diskutieren, bevor in wenigen Minuten die nächste Vorstellung beginnt. Was das Festival im Vergleich zur Berlinale, so besonders macht, bringen Andrea und Katharina sehr gut auf den Punkt.

Jetzt aber nichts wie hin. Unter www.boddinale.com erfahrt Ihr, welche Filme bis nächste Woche Sonntag täglich laufen. Immer von 18-23 Uhr. Und zum Abschluss wiederhole ich mich gerne: Ein Besuch lohnt sich. Selbst die Bezirksbürgermeisterin von Neukölln, Dr. Franziska Giffey ist auf ihrer Facebook-Seite voll des Lobes für dieses kleine, aber dennoch sehr wichtige Festival.

Wir hören uns passend zur Award-Verleihung am 19. Februar wieder. Dann wissen wir, ob Ralf oder Andrea & Katharina zu den Gewinnern in diesem Jahr gehören.

Autor: Marvin Jäger